Welche Sicherheitsschuhe und welche Sicherheitsschuh-Kategorie (S1, S2, S3) ist für Deinen Einsatzbereich sinnvoll? Wann brauchst Du einen Sicherheitsstiefel und wann reicht ein Hochschuh? Können Sicherheitssneaker auch im Lager getragen werden?
Hier findest Du Entscheidungshilfen rund um den richtigen Sicherheitsschuh für Deinen Job – inkl. Materialwahl, Normen und Tipps zur richtigen Schuhpflege von Sicherheitsschuhen.
Warum Sicherheitsschuhe so wichtig sind
Sicherheitsschuhe schützen vor vielen Gefahren in Deinem Arbeitsalltag. Dazu zählen zum Beispiel der Schutz vor herabfallenden Lasten, spitzen Gegenständen, Ausrutschen, Ölen/Chemikalien, Hitze/Kälte oder elektrostatischer Aufladung.
Grundlage ist die EN ISO 20345. Sie schreibt u. a. die Zehenschutzkappe mit 200 J Stoßenergie und 15 kN Druck fest und unterscheidet Schutzklassen sowie Zusatzkennzeichen für besondere Risiken.
Wer auf dem Bau, in der Werkstatt, der Produktion, in der Logistik, dem Handwerk oder im Service arbeitet, braucht je nach Gefährdungslage passendes Schuhwerk.
Die falsche Wahl der Sicherheitsschuhe erhöht die Unfallgefahr deutlich. Damit steigt auch das Ausfallrisiko. Die richtige Wahl des Schuhwerks hingegen reduziert die Ermüdung und kann dadurch sogar die Produktivität steigern.

Überblick: Schuharten für den Arbeitsschutz
- Sicherheitshalbschuhe (Low)
Sicherheitshalbschuhe sind in der Regel leichter als Hochschuhe oder Stiefel. Dadurch gelten sie als bewegliche Allrounder für Montage, Logistik, Werkstatt und sonstige einfache Tätigkeiten in Innenbereichen.
Vorteil: geringes Gewicht, gute Atmungsaktivität; Nachteil: weniger Schutz am Knöchel, ggf. erhöhtes Risiko zum Umknicken - Hochschuhe (Mid/Ankle)
Mid Boots oder Sicherheitshochschuhe bieten mehr Stabilität und seitlichen Schutz. Somit sind sie ideal bei viel Laufarbeit, beim Klettern auf Leitern und generell im Outdoor-Einsatz bei Umknickgefahr.
Vorteil: mehr Knöchelschutz, wasserabweisend; Nachteil: höheres Gewicht - Sicherheitsstiefel (High)
Für schwere körperliche Tätigkeiten auf dem Bau, im Straßen- oder Tiefbau sowie bei forstnahen Tätigkeiten in oft nassen oder kalten Umgebungen sind Sicherheitsstiefel zu bevorzugen. Bieten Platz für isoliertes Futter, verfügen über einen Schaftschutz und teils auch über Knöchelprotektoren sowie wasserdichte Membranen.
Vorteile: sehr robust, gepolsterter Schaft, Knöchelschutz, wärmende/isolierende und antistatische Eigenschaften, oft wasserdicht; Nachteil: höheres Gewicht, geringerer Komfort je nach Modell - Sicherheitssneaker
In Sachen sportlicher Look und Komfort liegen Sneaker ganz weit vorne. Viele Sicherheitssneaker verfügen mittlerweile auch über zusätzliche Sicherheitsfunktionen. Damit eignen sie sich auch für Tätigkeiten im Lager/Kommissionierung, im Service oder im Facility Management. Aber Achtung: Nicht jeder Sneaker verfügt über eine Schutzklasse. Prüfe vor dem Kauf also genau die EN ISO 20345-Kennzeichnung und die Einstufung in die Schutzklassen S1, S2 oder S3.
5 beliebte Materialien von Sicherheitsschuhen
- Leder
• Robust, langlebig, natürlich atmungsaktiv
• Schwerer, benötigt regelmäßige Pflege, kann bei Nässe durchweichen - Mikrofaser / Kunstleder
• Leicht, widerstandsfähig gegen Öle/Chemikalien, pflegeleicht
• Weniger atmungsaktiv, teils weniger langlebig - Textil
• Sehr leicht, gute Atmungsaktivität, modisch für Sneaker
• Weniger Schutz gegen Feuchtigkeit, Schmutz und mechanische Belastung - PVC / PU / TPU (Kunststoffe für Stiefel)
• Vollständig wasserdicht, chemikalienbeständig, leicht zu reinigen
• Geringe Atmungsaktivität, teils weniger optimaler Komfort - Verbundstoffe (Kevlar, Carbon, Aluminium)
• Leicht, korrosionsfrei, kein Kältebrücken, optimal für Zehenschutzkappe
• Höherer Preis; prüfen, ob normgerecht nach EN ISO 20345 zertifiziert

Die wichtigsten Normen und Klassen – EN ISO 20345 im Überblick
Die maßgebliche Norm für Sicherheitsschuhe ist EN ISO 20345. Sie regelt Zehenschutz (200 Joule), Rutschfestigkeit, Durchtrittschutz, antistatische Eigenschaften, und weitere optionale Features.
Normen: Was bedeuten die verschiedenen Sicherheitsklassen wie S1, S2 und S3?
• SB – Basisschutz mit Zehenschutzkappe.
• S1 – zzgl. geschlossener Fersenbereich, antistatische Eigenschaften, Energieaufnahmevermögen von mindestens 20 Joule.
• S1 P, S1 PL, S1 PS – zzgl. Durchtrittschutz (Stahlplatte, Gewebe),
• S2 – zzgl. wasserabweisendes Obermaterial mit wasserabweisender Wirkung für mindestens 60 Minuten
• S3 – S2 + zzgl. Durchtrittschutz und profilierte Laufsohle
• S4, S5 – gelten für Vollkunststoff-Stiefel (Gesamtpolymer- und Nitrilstiefel mit Schutzkappe): S5 = zzgl. Durchtrittschutz
• S6 – S2 und zzgl. vollständig wasserdicht
• S7, S7L, S7S – S6 und zzgl. Stahlsohle mit einen Widerstand gegen Durchstich, profilierte Laufsohle
Sicherheitsschuhe nach Einsatzgebiet: Welche Klasse für welchen Job?
Bauwesen, Hoch-Tiefbau und Straßenbauarbeiten:
Bauarbeiter und Industriearbeiter sollten S3-Sicherheitsschuhe tragen. Das entspricht auch der Vorschrift gem. BG Bau. S3 Schuhe mit durchtrittsicherer Sohle, Zehenschutz, Rutschfestigkeit (SRC) und wasserabweisendem Obermaterial sind Pflicht. Bei Tätigkeiten auf Beton oder heißem Asphalt sowie bei Metallarbeiten sind Schuhe mit der Eigenschaft HRO zudem Pflicht. Bei Tätigkeiten im Winter braucht es Schuhe mit CI (Kälteisolierung).
Lager / Logistik / Versand:
Meist reichen S1 Schuhe oder S1P-Sicherheitsschuhe, es sei denn, Durchtrittschutz ist vorgeschrieben. Achte trotzdem darauf, Sneaker-Modelle zu tragen, die EN ISO 20345-konform sind. Diese verfügen auch über SRC-Rutschhemmung und ESD-Schutz.
Schweißen / Metallbau:
Bei diesen Tätigkeiten sind S3 Schuhe mit besonderen Hitzeschutz und antistatischen Eigenschaften wichtig. Viele Modelle verfügen über eine spezielle Laufsohlen-Technologie mit hoher Hitzebeständigkeit von bis ca. 220°C.. Achte auf das Kürzel HRO und wähle zudem Schutzkleidung, die nach EN ISO 11612 zertifiziert ist. Bei Deinen Schuhen empfehlen die ASX-Experten zudem Modelle mit glatter Oberflächen und verdeckter Schnürungen.
Forstarbeiten / GaLa-Bau:
Wald- und Forstarbeiter brauchen S3-Stiefel mit Schnittschutz. Für GaLa-Bauarbeiter können je nach Tätigkeit auch S5-Stiefel mit Kälteisolierung oder Gummistiefel für Arbeiten im Wasser oder Schlamm ratsam sein. Alles rund um die Wahl der richtigen Schnittschutzstiefel findest Du im Artikel “Schnittschutzstiefel einfach erklärt: Welche Schnittschutzklasse brauchen Forstschutzschuhe?”.

Was sind wichtige Eigenschaften von Sicherheitsschuhen?
Je nach Modell und Sicherheitsklasse können die folgenden EIgenschaften als grobe Leitlinie für Deine Wahl der richtigen Sicherheitsschuhe gelten:
• Zehenschutzkappe: Stahl, Aluminium oder Komposit, schützt mit 200 Joule vor herabfallenden Lasten, Geräten, Werkzeugen
• Durchtrittsichere Sohle: bietet Schutz vor Nägeln und spitzen Gegenständen, heutzutage oft aus modernen Faser-Verbundstoffen (Kevlar, Textil, Leichtgewicht)
• Rutschhemmung: SRC-zertifizierte Sohlen, wichtig für Bau, Lager, Werkstatt – Schutz vor Ausrutschen auf Öl, Wasser oder Staub
• Antistatik / Elektrische Isolierung: ESD-geeignete Schuhe empfehlen sich für Elektroarbeiten – Schutz vor Stromschlag
• Brandschutz: für Metallbau, Gießerei, Schweißerei spezielle Hitzeschutz-Schuhe (HRO)
• Kälteschutz / Wetterfestigkeit (CI/HI): Winter-Arbeitsschuhe sind meist mit hohem Schaft sowie Thermofutter, wasserabweisend und robust
Tipps zur richtigen Schuhpflege: So bleiben Deine Sicherheitsschuhe lange haltbar
Damit Du länger was von Deinen Sicherheitsschuhen hast, pflege sie richtig.
Beachte folgende Schritte bei der Schuhpflege:
- Schritt: trockne Deine Schuhe bzw. lasse sie regelmäßig auslüften, nasse Schuhe am besten bei Raumtemperatur trocknen; keine direkte Hitze (schädigt Kleber/Leder)
- Schritt: Reinigen: groben Schmutz abbürsten, bei Leder Pflegecreme/Imprägnierung; bei Textil milde Seifenlauge, wichtig: Membranschuhe regelmäßig imprägnieren
- Schritt: Einlegesohlen regelmäßig austauschen und Schnürsenkel prüfen
- Schritt: Kontrolliere die Sohle, checke Durchtrittschutz und Schutzkappe auf Beschädigungen
- Schritt: Einsatzdauer beachten und Schuhe ggf. ersetzen; je nach Nutzung & Umgebung sind ca. 12 bis 24 Monate realistisch; bei deutlichem Verschleiß früher tauschen
Passform und Schuhgröße von Sicherheitsschuhen
Gute Sicherheitsschuhe müssen exakt sitzen, damit sie ihre volle Schutzwirkung entfalten können. Dafür solltest Du Deine Fußlänge, die Weite und Höhe des Spanns kennen.
Tipp: Schuhe immer am Abend testen!
Faustregel: Sicherheitsschuhe sollten nicht zu groß gekauft werden, da zu viel Spiel Blasen und Stolperunfälle begünstigt. Zu eng surfen sie aber auch nicht sitzen. Da leidet der Komfort und es kann Druckstellen geben.
Für orthopädische Einlagen gibt es spezielle Modelle nach DGUV 112-191.
Kosten & Steuern: Was kosten Sicherheitsschuhe – und kann ich sie absetzen?
Preislich startet die Basisklasse bei ca. 40 bis ca. 70 €. Solide S1/S1P/S2 liegen oft bei 70 bis 120 €. Die sehr robusten, hochwertigen S3-Outdoorschuhe mit Membran und Dämpfung von Premium-Herstellern wie Helly Hansen, Baak oder Cofra kosten in der Regel rund 120-200 €.
Der Preis jedoch sagt nicht zwingend etwas über die Qualität. Zumal es auch von Premium-Herstellern bei uns im ASX Online-Shop immer wieder Angebote und Rabatte gibt.
Auch ist die Preisskala bei vielen Herstellern facettenreich. So reicht die Preisspanne für S3-Sicherheitsschuhe schnell mal von etwa 30 Euro bis über 200 Euro. Entscheidend sind Material, Fertigung und Komfortfunktionen. Markenhersteller wie Haix, Elten oder Puma investieren in Forschung, Dämpfungssysteme und atmungsaktive Membranen – das spiegelt sich im Preis wider.
Mehr zum Thema Kosten liest Du in unserem Artikel “Sicherheit zum kleinen Preis: Sind günstige Arbeitsschuhe eine gute Wahl?”.
Steuerlich gilt in Deutschland: typische Berufskleidung (z. B. Sicherheitsschuhe) ist als Werbungskosten absetzbar, wenn sie nahezu ausschließlich beruflich genutzt wird; auch Reinigungskosten können berücksichtigt werden (Pauschalen werden von manchen Finanzämtern anerkannt – ohne Gewähr, immer individuellen Steuerfall prüfen).
Häufig gestellt Fragen (FAQs)
Welche Sicherheitsschuhe brauche ich für das Bauwesen?
Im Bauwesen sind Sicherheitsschuhe der Klasse S3 nach EN ISO 20345 vorgeschrieben. Diese bieten eine Zehenschutzkappe, eine durchtrittsichere Sohle aus Stahl oder modernen Verbundstoffen, rutschhemmende Sohlen (SRC) und ein wasserabweisendes Obermaterial.
Für den Außeneinsatz sind oft knöchelhohe S3-Sicherheitsstiefel oder Stiefel mit zusätzlicher Isolierung zu empfehlen. Auch Modelle mit antistatischen oder ESD-Eigenschaften können relevant sein, abhängig vom speziellen Arbeitsumfeld.
Wann sollte ich rutschfeste vs. ölbeständige Schuhe wählen?
• Rutschfeste Schuhe (SRC):
Pflicht in Umgebungen mit nassen, glatten oder metallischen Böden – z. B. Baustellen, Küche, Lager, Werkstätten; sie bieten Gripp auch auf Fliesen mit Seifenlösung und Stahl mit Glycerin
• Öl- und kraftstoffbeständige Schuhe (FO):
Diesen sind überall da nötig, wo Mineralöle, Fette oder Kraftstoffe vorkommen – z. B. Werkstätten, Tankstellen, Metallverarbeitung, Logistik; eine FO-Sohle verhindert Aufquellen und Materialzersetzung
Viele moderne S3-Modelle kombinieren beides: rutschhemmend (SRC) + FO-Beständigkeit
Welche Eigenschaften schützen beim Umgang mit Chemikalien oder Funken?
Bei Chemikalien, Ölen, Säuren oder Schweißarbeiten sind Spezialausstattungen wichtig. Du solltest Sicherheitsschuhe mit chemikalienbeständigem Außenmaterial und ggf. Spezialsohlen nach EN 13832 wählen.
Für Arbeiten mit Funken, Hitze, Schweißspritzer gilt:
→ Glattes Leder oder beschichtete Obermaterialien
→ Verdeckte Schnürung oder Klettverschluss
→ HRO-Sohle ( bis 300 °C)
→ ggf. Metatarsal- oder Spannschutz (M)
Wie finde ich die richtige Schuhgröße und Passform?
Die beste Norm nützt nichts, wenn der Schuh drückt oder rutscht.
Achte auf:
- Messen der Größe im Stehen, abends und mit Arbeitssocken
- Fußbreite: Hersteller bieten oft Weiten wie W10, W11, W12
- Halt an der Ferse: keine Reibung beim Gehen
- Zehenfreiheit: etwa 1 cm Luft zwischen Zehen und Kappe
- Orthopädische Einlagen: nur Modelle mit DGUV-112-191-Zulassung sind erlaubt
- Für ermüdungsfreies Gehen sorgen dämpfende Zwischensohlen (wie EVA-Sohle/PU)
Viele Hersteller wie Elten, Atlas, Uvex, Baak oder Puma Safety bieten spezielle Damenleisten oder ergonomische Serien für breitere Füße.
Fazit: Schuh ist nicht gleich Schuh
Ob auf dem Bau, in Logistik, Werkstatt oder Büro – die richtigen Sicherheitsschuhe sind entscheidend. Sie schützen zuverlässig vor Verletzungen und sorgen durch komfortable Passformen, hochwertige Materialien und modernste Technologie für ermüdungsfreies Gehen und hohe Arbeitssicherheit.
Nutze diesen Vergleich, um nach Norm, Einsatzbereich und bevorzugter Schuhtypologie von Sneaker bis Stiefel gezielt auszuwählen und so jedes Arbeitsschutzkonzept optimal umzusetzen.
Noch Fragen? Dann melde Dich gerne jederzeit bei unseren ASX-Experten!

